REINHARD   RAFFALT

- Das Gold von Bayern, Theaterstück -
Von der Schauspielerin zur ,,Banqueuse"

Auf der Bühne war sie nicht gerade erfolgreich - dafür umso mehr mit ihrer Bank: Adele Spitzeder, geb. 1832 in Berlin und aufgewachsen in München, war in den siebziger Jahren ihres Jahrhunderts eine der bekanntesten Frauen Deutschlands.

Nach einigen Wanderjahren als Schauspielerin kehrte sie 1868 nach München zurück und eröffnete in einem Hotel im Tal ihre spätere "Dachauer Bank". Freudig verbreiteten die ersten Anleger die Nachricht, daß man bei Madame Spitzeder die Zinsen gleich auf die Hand bekommen könne - 10, 20, 25 Prozent!
Der Andrang wurde bald so stark, daß der lärmgeplagte Hotelbesitzer der Bankbesitzerin schließlich kündigte. Nach mehreren Hotelaufenthalten kaufte diese 1871 das Haus Schönfeldstr. 9 und zog, nachdem sie es umbauen und prachtvoll ausstatten ließ, unter den Begeisterungsrufen der Bevölkerung dort ein. Später erwarb sie sogar noch die gegenüberliegende Gastwirtschaft "Wilhelm Tell", um ihren immer zahlreicher werdenden Kunden die lange Wartezeit angenehmer zu gestalten.

In kurzer Zeit wurde sie Millionärin, kaufte in den Jahren 1871/72 zwölf Häuser und hielt sich 40 Angestellte. Sie eröffnete die "erste Münchner Volksküche" , wodurch das Vertrauen der kleinen Leute ("die hat ein Herz fürs Volk!") in sie noch größer wurde.

Doch allmählich begannen die Behörden und ein Teil der Presse den luxuriösen Lehensstil (sie trat immer elegant auf, hielt sechs Hunde, rauchte Zigarren und umgab sich gerne mit jungen Mädchen) und das auffällige Geschäfisgebaren der Madame Spitzeder anzuprangern. Schließlich gelag es, 40 Gläubiger zu finden, die alle gemeinsam ihren Kredit kündigten. Das war für Adele Spitzeder, die nie odentliche Geschäftsbücher geführt und blind darauf vertraut hatte, daß ihre Einnahmen immer höher sein würden als ihre Ausgaben zu viel.

So wurde 1872 das Bankinstitut geschlossen, Adele in Untersuchungshaft genommen und ein Schwurgerichtsprozeß geführt, der eine Überschuldung von über 8 Millionen Gulden erbrachte. 30.860 Gläubiger sahen wenig oder gar nichts mehr von ihrem Geld. Viele begingen Selbstmord. Ganze baverische Gemeinden waren ruiniert. Am 20. Juli 1873 wurde Adele Spitzeder zu drei Jahren und zehn Monaten Zuchthaus verurteilt.

Nach ihrer Entlassung blieb sie in München und widmete sich als Komponistin ganz der Musik. Am 27. Oktober 1895 starb sie im Alter von 63 Jahren an Herzversagen.