REINHARD   RAFFALT

- Musica Eterna -

Aus fünf Jahrhunderten abendländischer Musik

Bild Titelseite
R. Piper & Co. Verlag
München Zürich 1978
ISBN 3-492-02392-4

Inhalt:

Vorwort von Eugen Jochum:
Reinhard Raffalt und die Musik

Für viele der Freunde und Bewunderer seiner Bücher wird dieser Band vielleicht eine große Überraschung sein. Dieser durch und durch musische Mensch war im tiefsten Kern ein Musiker, ein profunder Kenner nicht nur, ein eminent gebildeter, sondern ein Wissender und ein Könner. Ein Könner: man lese nur den wunderbaren Essay über »das Haus der Musik«, dessen Anfang allein schon ein hinreißender theologisch-poetischer Traktat ist. In diesem Essay spricht er über das Wesen der Orgel, wie es nur jemand kann, der mit ihr verwachsen ist, ihre Macht und ihren Anspruch erfahren hat. Daraus ergibt sich ganz natürlich seine Verbundenheit und Vertrautheit mit Bach und seiner Welt. So sei am Rande vermerkt, daß mit seiner Gründung der Bachgesellschaft in Rom, dessen Paläste er für Bach öffnete, eine wirkliche Bach-Ära in Rom begann.
Was Monteverdi, Orlando di Lasso und manche Barockmeister ihm bedeuteten, zeigen die Aus-führungen des Buches überzeugend genug.
Wichtig erscheint mir, daß er in dem bemerkenswerten und überaus nötigen Essay über den »Verzicht auf Schönheit« mit einer Epoche heutiger Antimusik so klar wie mutig und schonungslos abrechnet.
Daß Mozart für ihn der strahlende Stern ist, als den wir ihn mehr und mehr erkennen, ist nur zu verständlich.
Aber all sein Wissen war kein isoliertes Spezialistentum; wie nichts bei ihm steriles Fachwissen war, sondern letztlich alles aus einer grandiosen Zusammenschau der geschaffenen, der von Gott und den Menschen geschaffenen Fülle entsprang. Er hatte in ihr das geheimnisvolle Ordnungsprinzip entdeckt, das der Harmonie der Sphären innewohnt, alles durchwaltet und den Bestand der Welt verbürgt.
Dieser bayerische Barockmensch war einer der letzten großen abendländischen Men-schen unserer Zeit, mit tiefem Sinn und Gespür für die Zusammenhänge der Geschichte, erfüllt von leidens chaftlicher Liebe zur Schönheit in jeder Gestalt, die er aussagen und deuten konnte in Wort, Bild und Ton. Mit dieser Aussage rührte er einem ans Herz, tröstend und vergewissernd. Seine unbeirrbare Freundesstimme fehlt uns je länger je mehr.
So wollen wir dankbar dieses vielleicht letzte, kostbare Geschenk entgegennehmen von ihm, dem im Anschauen der ungeschaffenen Schönheit endlich Genüge geschehen möge.

München, im August 1978, Eugen Jochum

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